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Liebe Leserin, lieber Leser,

einfach-beten.de enthält Texte, die Ihnen einen leichten Weg zum persönlichen Gebet zeigen wollen. Bei der Textauswahl wurde darauf geachtet, besonders prägnante und repräsentative Stellen aus den umfangreichen Büchern anzubieten. Mit ihnen sollen Sie erste Schritte gehen können, ohne sich zunächst tiefer in die Spiritualität der Kirchenväter, der Mystiker oder der zeitgenössischen Beterinnen und Beter hineindenken zu müssen. Die Texte veralten nicht und können wiederholt gelesen, meditiert und dabei neu und anders entdeckt werden. 

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Peter Dyckhoff
in der ZDF-Sendung "sonntags"
(6. August 2006)

 

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Fernsehinterview mit Dr. Peter Dyckhoff über das Beten (6. August 2006)
Mit freundlicher Genehmigung von „sonntags - TV fürs Leben " (jeden Sonntag um 9:02 Uhr im ZDF)

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Mit freundlicher Genehmigung von Bibel-TV zeigen wir Ihnen hier das fast 30min dauernde Fernsehinterview mit unserem Autor Peter Dyckhoff.

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Atme auf

Beten mit Leib und Seele
von Peter Dyckhoff

Finden wir keine rechten Worte mehr für das Eigentliche, was wir ausdrücken möchten? Können wir überhaupt noch das ausdrücken, was wir ausdrücken möchten? Zu allen Zeiten haben große Persönlichkeiten versucht, Wege aus dieser geistig-geistlichen „Verarmung“ zu finden.

Mitverantwortlich für unser Werden sind wir alle. In Einzelgesprächen und in Kursen versuche ich seit mehr als dreißig Jahren die Gefahr des Verlustes der eigenen Identität aufzuzeigen. Wirksame Wege zur Persönlichkeitsentfaltung und Glaubensvertiefung sind heute wichtiger denn je:

 

  • Momente des Wohlbefindens und der wahren Freude finden sich bei vielen Menschen zu selten.
  • Zeichen deuten an, dass große Sehnsucht nach echter Ursprünglichkeit besteht.
  • Der Körper macht Anspannungen und Leiden sichtbar, indem er unverarbeitete innere Vorgänge, Erfahrungen und Gefühle in mannigfaltiger Weise widerspiegelt.
  • Seelische Belastungen drücken sich in körperlichen Spannungen aus, die auch das Gefühlsspektrum eingrenzen.
  • Viele Menschen verbringen ihr Leben in relativ großer Bewegungsarmut. Oft macht das Leiden sie erst reif, ihr wahres Wesen wirklich zu spüren.
  • Verkrampfungen oder ein Sich-Gehenlassen stehen der individuellen Selbstverwirklichung im Wege.
  • Die Sehnsucht nach Glaubenserfahrung und -vertiefung ist überaus groß – selbst wenn sie von den meisten Menschen nicht zugegeben wird.

Die tiefgreifende Erfahrung, mit Leib und Seele zu beten, führte dazu, dass ich in jeden Exerzitien- oder Meditationskursus Körperübungen mit hineinnahm und hineinnehme, die dann zu einem befreienden, reinen Gebet werden. Immer wieder bin ich fasziniert und dankbar, sehen und erleben zu dürfen, wie bei vielen Menschen durch regelmäßiges Üben Wandlung geschieht.

Die Atmung, der wertvollste Rhythmus der Erde
Jede Arbeit, jeder Beruf und jede Kunst bedürfen – damit das Werk gelingt – der Übung. Wir besitzen ungeahntes Potenzial an Kräften, das nicht genutzt wird. Es gehört daher zu den wesentlichen Aufgaben eines Menschen, sich zu entwickeln und sich zu sich selbst zu entfalten. Das, was wir sein könnten und sollten, werden wir nicht von selbst: Wir müssen lernen, üben, Erfahrungen sammeln und verarbeiten.

Atemübungen reinigen den Körper, beruhigen die Gefühle und ermöglichen, Körper und Geist ins Gleichgewicht zu bringen. Ohne Nahrung können wir lange auskommen, doch ohne Sauerstoff höchstens vier Minuten. Viele Menschen macht die hektische Zeit, in der wir leben, im wörtlichen Sinne atemlos. Sie haben das Gefühl für ihren Atem verloren; sie atmen flach und angespannt und nutzen dadurch nur ein Fünftel ihrer Lungenkapazität. Manche halten sogar bei starker Beanspruchung die Luft an anstatt sie abzugeben.

Die Art, wie ein Mensch atmet, drückt seine Befindlichkeit und Haltung gegenüber dem Leben aus. Ist der Atem nicht in Ordnung, ist der ganze Mensch nicht in Ordnung – nicht nur sein Körper. Atemstörungen kommen am häufigsten aufgrund lang andauernder seelischer Belastungen vor. Wir atmen zu wenig aus unserer Mitte, sondern zu weit oben. Bei einer solch flachen Atmung spüren wir unsere Gefühle erheblich schwächer oder gar nicht. Die Folge ist, dass wir uns nicht an wichtigen Bedürfnissen orientieren, sondern mehr und mehr der Ratio folgen oder gar den Wünschen und Erwartungen anderer.

Um eine intensive Wirkung zu erreichen, sind fast alle Gebets-Übungen zur Gesundung von Leib und Seele mit bewusstem Atmen verbunden.
Bewusstes Atmen und die Koordination von Atmung und Bewegung bringen uns ein Stück verlorene Freiheit und Lebendigkeit zurück. Auf dieser Grundlage gibt es hervorragende Übungen, die zu einem tiefen Gebet werden können, den ganzen Menschen betreffen und ihn in all seinen Dimensionen aufrufen und wandeln.

Wandlung zulassen
Die sanften Bewegungsabläufe in den Gebets-Übungen für Leib und Seele setzen in besonderer Weise Kräfte in uns frei, die uns aus dem Zwang und der Enge anerzogener und übernommener Verhaltensmuster befreien, in die uns unser Erbgut, unsere Familie, die Erziehung, Staat und Gesellschaft oder gar die Religion hineingezwängt haben.

Zu diesem Ziel führen viele Wege. Wichtig ist es, den jeweils für uns geeignetsten und erfolgbringendsten Weg auszusuchen. Beten in Stille und Meditation sind selbstverständlich Grundlagen für den spirituellen Weg. Jedoch nicht nur das stille Sitzen bringt uns mit unserer inneren Quelle in Kontakt, sondern auch die Bewegungsabläufe, die von unserer Achtsamkeit begleitet werden und uns nach Befreiung des Weges in tiefere Schichten des Bewusstseins führen. Willentlich kann man mit den Übungen nichts erreichen. Führen wir sie regelmäßig aus, begleiten sie mit unserer Aufmerksamkeit und haben dabei keine bestimmten Erwartungen, stellen sich von selbst gelöste Ruhe und heitere Gelassenheit ein.

Neben vielen körperlichen Aspekten, die zur Gesundung beitragen, bedeuten die Übungen daher gleichzeitig innere Einkehr und Umkehr, ein Loslassen von dem, was uns bindet und festhält und ein Zulassen des Wesentlichen in uns. Durch die Aufmerksamkeit und die Präsenz, die alle Übungen begleiten, werden wir in unser wahres Selbst geführt. Auf diesem Weg geschieht Wandlung, die nur auf der Grundlage des Loslassens von Erreichtem erfolgen kann. Wir erfahren unsere Grenzen, indem wir ein wenig über sie hinaus gehen – scheuen aber nicht davor zurück, sondern bejahen und üben die Entgrenzung – die Voraussetzung für den Fortschritt auf dem spirituellen Weg.

Das Beten Jesu
In den Evangelien erfahren wir kaum etwas darüber, wie und in welcher Haltung Jesus betete. Während seines Gebetes wollte er allein sein. Zweimal jedoch nahm er Petrus, Jakobus und Johannes, die ihm besonders nahe standen, mit. Als er auf dem Berg der Verklärung betete, begann er offenbar von innen zu leuchten.
„Er wurde vor ihren Augen verwandelt. Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht.“ (Matthäus 17,2)

Ein anderes Ereignis, bei dem diese Zeugen gegenwärtig waren, war das Gebet am Ölberg. Wenn sich Jesus in Jerusalem aufhielt, pflegte er regelmäßig dorthin zu gehen. Und auf diese feste Gewohnheit konnte Judas seinen verräterischen Plan aufbauen. Die Evangelisten berichten, dass sich Jesus zum Gebet als Erstes zu Boden warf.

Zwei wesentliche Elemente darf man dem Gebet Jesu entnehmen: Die Regelmäßigkeit hinsichtlich des Ortes und der Zeit und das Verweilen in möglichst engem Kontakt mit der Erde. Hatte Jesus eine solche Haltung und Übung nötig? Als Mensch wird es für ihn wichtig gewesen sein, mit leiblicher Gebärde zu beten – vielleicht auch als Leitbild für uns.

Es wird daher Wert auf die Regelmäßigkeit des Betens gelegt und darauf, zu Beginn vor allem Kontakt mit der Erde aufzunehmen. In unseren körperlichen Ausdrucksformen bekunden und verwirklichen wir uns. Eine Gebärde ist umso reiner, je unmittelbarer sie aus unserem ureigensten Wesen kommt. Unser Gebetsleben ist oft verarmt und hat sich ins rein Verstandesmäßige zurückgezogen. Da Leib und Seele aber aufeinander bezogen und nicht zu trennen sind, ist es nicht nur wichtig, sondern auch notwendig, den Körper ebenfalls mit in das Gebet einzubeziehen.

Das Anliegen des Buches von Peter Dyckhoff „Atme auf. Übungen zur Leib- und Seelsorge“ besteht darin, das tiefere Beten mit Leib und Seele einzuüben und die durch das Beten gewonnene heilende Kraft dahin strömen zu lassen, wo sie am nötigsten gebraucht wird: im aktiven und oft strapazierten Lebensalltag. Die einfachen Gebets-Übungen bringen Stockendes wieder ins Fließen, lösen krankmachende Barrikaden und setzen heilende Kräfte frei. Die unterbrochene Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele wird wieder hergestellt, sodass eine lebendige Beziehung vom Bewusstsein zur Stofflichkeit jeder Zelle aufgebaut wird. Somit wird die Materie durchleuchtet und verwandelt, der Leib vergeistigt. Durch langsame vergeistigte Bewegungen des Körpers kann die Lebensenergie im inneren Körper wieder frei fließen. Wenn der Körper durch einfache, vom religiösen Bewusstsein erfüllte Bewegungsabläufe zur Ruhe kommt, überträgt sich diese heilende Ruhe auch auf die Seele. Und wenn durch eine geistig-geistliche Übung die Seele beruhigend angesprochen wird, überträgt sich das wiederum auf den Körper.

Die uralte Ayur-Vedische Medizin, die das Wissen um heilende Schwingungen auf Körper, Geist und Seele heilbringend anwendet, findet immer mehr Zulauf. Ebenso gefragt ist heute im Westen die alte chinesische Medizin. Bei ihr bedient man sich bestimmter Methoden wie der Akupunktur, der Akupressur oder des Tai Qi und des Qi Gong, um unterbrochene Lebensenergie wieder ungehindert fließen zu lassen. Diese Lebensenergie (Qi) sorgt für Heilung und fördert ein höheres Bewusstsein. Ebenso wirken Yoga, Eutonie und „Die fünf Tibeter“.

Bei den Übungen zur Leib- und Seelsorge geschieht das gleiche. Es werden Körper, Geist und Seele mit in den wohltuenden und heilenden Vorgang des Betens hineingenommen. Auch Jesus betete mit leiblicher Gebärde.

„Atme auf“ gibt Antwort auf die Frage, wie wir unserem Beten anstrengungslos und natürlich körperlichen Ausdruck verleihen können, um ganzheitlich, das heißt mit Körper, Geist und Seele vor Gott wach und präsent zu sein. Die Gebets-Übungen führen von der verborgenen Innerlichkeit hinaus in die aktive Welt und setzen neue Lebenskraft frei. Das Wesentliche im Leben kann ungehindert seinen Ausdruck finden.

Dem Wesen Raum geben
Beim Beten schwingt der Körper mit und wir sind mit hoher Achtsamkeit in allen Bewegungen zugegen. Wie von selbst kann sich dann unser Wesen, das ureigentlich und letztlich ein göttliches ist, besser entfalten und klarer in die Welt hineinleuchten, wenn der Strahlkraft sowohl körperlich als auch geistig nichts mehr im Wege steht. Daher ist es wichtig, das Ziel allen Betens nicht aus dem Bewusstsein zu verlieren. Es besteht nicht darin, etwas zu „können“ oder zu „leisten“, sondern einzig und allein „Präsenz“ zu erreichen, damit das Wesentliche – die Liebe und die Gnade des Schöpfers – durch uns transparent wird. Der Sinn eines jeden Betens ist Wandlung, sodass sich das durchsetzen kann, was wir wirklich und eigentlich sind: Geschöpfe oder Kinder Gottes, die in Verbindung mit ihrem Ursprung stehen, der Liebe ist.
Ignatius von Loyola weist in seinen „Geistlichen Übungen“ darauf hin, wie wichtig es ist, vor dem Beten und der Meditation inne zu halten und sich auch körperlich auf Gott auszurichten und zu bereiten.
„Einen oder zwei Schritte vor der Stelle, an der ich die Kontemplation (Betrachtung) oder Meditation zu halten gedenke, will ich mich während der Dauer von einem Vaterunser aufrecht hinstellen, den Geist nach oben gerichtet, und erwägen, wie Gott unser Herr mich anschaut ... und mich innerlich vor Ihm verneigen und damit Ehrfurcht und Demut bekunden.“ (Exerzitien 75)

Zusammengefasst:

  • Mit Leib und Seele zu beten hilft, körperliche und seelische Belastungen abzubauen.
  • Die Atmung ist der wertvollste Rhythmus der Erde.
  • Ein Ja-Sagen zur Entgrenzung ist Voraussetzung für den Fortschritt auf dem
    spirituellen Weg.
  • Die Übungen zur Leib- und Seelsorge führen von der verborgenen Innerlichkeit
    hinaus in die aktive Welt und setzen neue Lebenskraft frei.
  • Der Sinn eines jeden Betens ist Wandlung.

Literatur zum Thema von Peter Dyckhoff:

  • Buch: „Atme auf. 77 Übungen zur Leib- und Seelsorge“, Don Bosco Verlag München 2004
  • CD: „Atme auf. Übungen zur Leib- und Seelsorge“, Don Bosco Verlag München 2004
  • Buch: „Bete ruhig. Betrachtung und Ruhegebet“, Don Bosco Verlag München 2005

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Interessieren Sie sich für aktuelle Buchtipps, so lesen Sie doch einfach folgende Rezensionen:

Peter Dyckhoff: Geistlich leben im Sinne alter Klosterregeln

„In der Hektik des Alltags suchen Menschen Orientierung für ihr geistliches Leben. In kleinen, einfachen Abschnitten wird die Kraft der Ordensregeln von sechs großen Ordensgründern erschlossen: Basilius, Augustinus, Benedikt, Klara und Ignatius.“

Aus: Der Weinberg 9/Sept. 2005

„Eine Fundgrube und Schatzsuche für alle spirituell Interessierten.
Auf 360 Seiten bietet dieses exzellent gestaltete Buch (mit einem Lesebändchen und ansprechenden Illustrationen) eine enorme Auswahl an Weisheiten, Einsichten und Texten, die einem die Welt der Klosterregeln erschließen helfen. (...) Eine rundum überzeugende, informative Sammlung.“

Aus: Buchprofile Jhg. 50/2005

Peter Dyckhoff: Bete ruhig

„Das Buch „Bete ruhig“ lädt ein zu dreiwöchigen spirituellen Exerzitien, die das Leben bereichern. Das geistliche Übungsbuch basiert auf der Gebetsschule des spanischen Mystikers Petrus von Alcantara sowie auf Gebeten aus der christlichen spirituellen Tradition. (...) Das Buch „Bete ruhig“ ist ein wertvoller Begleiter für alle, die die Sehnsucht nach einem ruhenden Pol in ihrem Leben spüren.“

Aus: Anzeiger für die Seelsorge 9/2005

„Pfarrer Peter Dyckhoff, Psychologe und Seelsorger, gibt hier (...) ein geistliches Übungsbuch an die Hand, das in einem dreiwöchigen Kurs das Beten und Glauben vertiefen möchte. Die Gebete und Betrachtungen verhelfen dazu, die eigenen Stärken und Schwächen bewußt zu machen, den Willen Gottes zu erkennen und zu einer tieferen Dimension in „Gespräch“ mit Gott zu gelangen.“

Aus: Klerusblatt Nr. 9/15.09.2005

Elmar Gruber: Zeichen der Liebe – Zeichen der Nähe

„In seinem 2003 erschienenen Buch „Mit Kindern über Gott reden“ meditiert Elmar Gruber die sieben Sakramente. Sie sind für ihn Zeichen der Nähe. (...) Diese Meditationen liegen jetzt, ergänzt durch eine Einleitung und eine abschließende Überlegung zu der Frage „Was sind Sakramente“, in einem schmalen Bändchen vor, das die Berliner Ordensfrau Philomena Schmidt ausdruckstark illustriert hat.“

Aus: Kompakt April 2005

 

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