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Beten ist viel mehr als
sprechen
von Norbert CoprayRezension
des Buches Atme auf von Peter Dyckhoff,
77 Übungen zur Leib- und Seelsorge, Don Bosco Verlag

Viele vergessen inmitten der Arbeit, der
Freizeit, inmitten von Zeitstress und Aufgabenfülle das Atmen, das bewusste
Atmen. Das Atmen wird zu einem völlig nebensächlichen Prozess, was zum
flachen Atmen ausschließlich mit dem Brustkorb führt, der sich nur spärlich
hebt und senkt. Das flache Atmen mag günstig sein, wenn die Umgebung keine
gute Atemluft bereit stellt. Aber wenn der Flachatem zur Dauergewohnheit
wird, gehen Spannkraft und Entspannungsfähigkeit des Körpers verloren, sackt
der Mensch in sich zusammen, wird von Stress und Attacken leichter
überrollt. Der Tiefatem, der frische Luft zu schöpfen und auszuschöpfen
weiß, entspannt, macht lebendig, bewirkt Gelassenheit und aufrechten Gang.
Er wird mit dem Bauch geatmet und dem sogenannten Sonnengeflecht. Wer
nervös, wütend oder mutlos ist und sich wenigstens drei Züge tiefer,
langsamer Bauchatmung gönnt, wird eine deutliche Veränderung spüren. Danach
fühlt sich vieles, auch der Mensch selbst, viel leichter und beruhigter an.
Tiefatem erdet. Bewusst atmen intensiviert unser Leben und macht uns achtsam
auf das Unsichtbare und Förderliche. |
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Diese Zusammenhänge muss man nicht wissen,
wenn man sich das neue Buch Atme auf von Peter Dyckhoff greift. Der
für eine moderne und alltagsverträgliche Spiritualität engagierte Meister
der Mediation hat vor allem um das Atmen 77 einfache, ganzheitliche Übungen
herum gebaut, die in verblüffender Weise zu mehr physischer und psychischer
Lebensqualität beitragen können. Die Übungen sind so leicht, so einfach
strukturiert, dass sie von jedem Menschen täglich ohne großen Zeitaufwand
durchgeführt werden können. Doch das wahre Geheimnis dieser Übungen sind
ihre Wirkungen. Von den positiven Auswirkungen auf den Körper und die Seele
war schon die Rede. Aber sie biete noch mehr als Leibkultur und
Psychohygiene. Die Übungen öffnen und klären den Geist. Sie bewirken, ohne
dass das eigens Thema ist, spirituelle Erfahrungen des eigenen Selbst und
der Umgebung. Dies muss nicht mit religiösen und theologischen Theorien
befrachtet werden. Sicherlich bieten die Übungen keinen automatischen Weg zu
spirituellen Erfahrungen an, sondern sie dienen dazu, dass der Mensch
Blockaden und Verschlüsse abschüttelt und sich für die Erfahrung der
spirituellen Seite des Lebens öffnet. Konsequent praktiziert bewirken sie
eine Veränderung der Wahrnehmung, eine Durchlässigkeit des ganzen Menschen
für die Energie, die allen Formen innewohnt. Dyckhoff hat die Übungen in 7
Gruppen eingeteilt:
- Finde Zugang zu dir selbst,
- Bewahre deine Gesundheit,
- Intensiviere deine Wahrnehmung,
- Stärke deine Persönlichkeit,
- Vertiefe deine Spiritualität,
- Fördere dein Leistungsvermögen,
- Verbessere deine Beziehung zu anderen.
Auf der linken Seite einer Doppelseite
findet sich die Übungsbeschreibung, auf der rechten Seite wird jeweils die
Wirkung erläutert und der religiöse Bezug durch Zitate entsprechender
Bibelstellen verdeutlicht.

Einige Übungen können im Internet unter
www.einfach-beten/../gebet/meditation.html nachgelesen und dann
ausprobiert werden. Peter Dyckhoff, der erst Psychologe und Kaufmann war,
ehe er Priester und Meditationsleiter wurde, tritt seit Jahren für das
Ruhegebet und eine neue Form des Betens ein. Das Beten wurde vielen durch
seine Zwanghaftigkeit, Ritualisierung und Geschwätzigkeit verleidet.
Dyckhoff hat frühe Traditionen des Christentums aufgegriffen und in moderne
Formen transformiert, die auch für moderne Menschen praktikabel und
annehmbar sind. So können die 77 Übungen zur Leib- und Seelsorge auch als
Gebetsvorschläge verstanden werden, denn Beten ist nicht notwendig sprechen.
Mit einer bestimmten Haltung bereits kann das Beten beginnen. Einfach beten
mit Übungen wie
- Finde dein Gleichgewicht,
- Wirf ab, was dich krank macht,
- Stehe zu dir,
- Behaupte dich,
- Richte dich auf,
- Lass Dampf ab
- und Atme Dich frei.
Doch wer dazu Mut braucht, um damit
anzufangen, der wähle zuerst die Übung Hab Mut wie ein Löwe - und
eine neue Saite des Leben beginnt zu klingen.
Norbert Copray |
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