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Glauben kann nur ganzheitlich gelebt werden. Er muss rational
verantwortet sein, das ja. Aber wo das pralle, alltägliche, aufregende,
schmerzhafte, beglückende und entnervende Leben nicht in den Glauben
hineinspricht, ist der Glaube leblos.
Gott im Sinn haben heißt, sich von Gottes befreiender, aufrüttelnder und
beruhigender Gegenwart leiten zu lassen bei dem, was heute in Kirche und
Welt geschieht und geschehen soll, uns nicht machtlos zu fühlen, sondern mit
unseren begrenzten Möglichkeiten und Einsichten auf die Herausforderungen
unserer Zeit zuzugehen.
Gott im Sinn haben heißt schließlich, mit Ihm oder Ihr zu rechnen, im
Gedächtnis zu haben, dass in vielen kleinen Ansätzen und Versuchen Großes
geschehen ist, wo Er oder Sie dabei war; dass das Ganze nur zustande kommt,
wenn Gott sich einschleicht in unsere Bemühungen und wir uns nicht
davonschleichen aus Seiner oder Ihrer Geschichte mit uns.

Gebete
Hagars Gebet
zu Gen 16,1-16
El Roi, Gott, der nach mir schaut.
Du hast mich in meinem Leid gehört,
mir die Augen geöffnet
und mir die Wasser des Lebens gezeigt.
Auch meinen Sohn hast du schreien gehört
und ihn nicht umkommen lassen,
dort, wo er lag.
Du warst mit dem Knaben
und mit mir ein Leben lang.
El Roi, Gott, der geheilt hat,
was an Unrecht und Verbitterung in mir war,
der Zukunft und Sinn eröffnete,
wo Todesmächte mich überfielen.
El Roi, du Lebendiger, du Gott mit uns.
Reiß mich in deine Zukunft.
Wie ausgedorrtes, trockenes Land, das Wasser braucht,
so brauche ich dich.
Nur in dir finde ich Leben in Fülle.
Voll Freude und Dank will ich dich preisen.
Benedikta Hintersberger

Praktischer Umgang mit dem
Wunderbaren
Ein Bote Gottes?
So einfach am hellen Tag?
Oder bei Nacht
an meinem Bett?
Mit besonderer Botschaft
extra für mich?
Halte ich das für möglich?
Und wenn -
was würde ich tun?
Würde ich ihn denn erkennen?
Er käme ja wohl nicht mit Flügeln?
Wie sähe er aus?
Was hätte er mir zu sagen?
Unglaubliche Neuigkeit,
so wie jene in der Bibel?
Oder ganz Alltägliches,
das ich übersehen?
Wie dem auch sei:
Sollte er kommen -
jener Bote,
dann lass mich ihn erkennen.
Lass mich hören auf das,
was er sagt,
was er mir zu verkünden hat -
dieser Bote von dir.
Gabriele Miller

Hannas Gebet
Mein Herz ist voll Freude über den Herrn,
große Kraft gibt mir der Herr.
Weit öffnet sich mein Mund gegen meine Feinde;
denn ich freue mich über deine Hilfe.
Niemand ist heilig, nur der Herr;
denn außer dir gibt es keinen (Gott);
keiner ist ein Fels wie unser Gott.
Redet nicht immer so vermessen,
kein freches Wort komme aus eurem Mund;
denn der Herr ist ein wissender Gott,
und bei ihm werden die Taten geprüft.
Der Bogen der Helden wird zerbrochen,
die Wankenden aber gürten sich mit Kraft.
Die Satten verdingen sich um Brot,
doch die Hungrigen können feiern für immer.
Die Unfruchtbare bekommt sieben Kinder,
doch die Kinderreiche welkt dahin.
Der Herr macht tot und lebendig,
er führt zum Totenreich hinab und führt auch herauf.
Der Herr macht arm und macht reich,
er erniedrigt, und er erhöht.
Den Schwachen hebt er empor aus dem Staub
und erhöht den Armen, der im Schmutz liegt;
er gibt ihm einen Sitz bei den Edlen,
einen Ehrenplatz weist er ihm zu.
Ja, dem Herrn gehören die Pfeiler der Erde;
auf sie hat er den Erdkreis gegründet.
Er behütet die Schritte seiner Frommen,
doch die Frevler verstummen in der Finsternis;
denn der Mensch ist nicht stark aus eigener Kraft.
Wer gegen den Herrn streitet, wird zerbrechen,
der Höchste lässt es donnern am Himmel.
Der Herr hält Gericht bis an die Grenzen der Erde.
Seinem König gebe er Kraft
und erhöhe die Macht seines Gesalbten.
Dagmar Mensink

Ein Psalm Abigajils / in Todesangst
Rette mich, Jahwe,
dem ganzen Haus stehe zur Seite.
Halt dich nicht fern,
verbirg dich nicht, Jahwe.
Sieh doch: Die Feinde nähern sich schon,
sie wollen uns vernichten
und verschonen niemanden.
Umgürte mich mit Kraft,
steh mir bei mit deinem starken Arm.
Sei unsere Hilfe wie von Urzeiten an:
Dornbusch, Licht, Feuersäule.
Verschaffe uns Recht, errette uns, Gott,
sprich durch mich deine Weisungen zum Leben.
Ruhig kann ich werden, wenn ich an dich denke,
mich bergen in deinem Schoß.
Denn du, Jahwe, bist immer bei mir,
du schützt mich wie eine Löwin ihr Junges.
Auf dich vertraue ich,
du bist mir Rettung und Hilfe,
eine feste Burg, die niemals wankt.
Wer auf dich baut, vergeht nicht.
Marlies Mittler-Holzem

Gebet einer verliebten Frau
Sara und Tobias (Tobit 3,7-17)
Gott meiner Mütter, Gott meiner Väter.
Du wandelbare Gottheit,
immer gleich und immer neu.
Ich bin froh, wenn ich spüre,
dass mein Herz schlägt,
voll Sehnsucht nach der Nähe
und Liebe eines Mannes.
Ich bin aufgeregt, wenn ich spüre,
dass mein Herz auch für mich schlägt,
voll Sehnsucht, mich zu begreifen.
Dann bin ich zerrissen und suche ich nach deiner Gestalt.
Du bist der Grund, auf dem ich stehe.
Du bist mein Herzschlag,
dessen Anruf ich fürchte,
weil du meine Wege durcheinander bringst.
Zeige dich mir!
Mein Herz will dich erkennen.
Nimm die Zerrissenheit von mir,
damit ich nicht verloren gehe.
Claudia Nietsch-Ochs

Gebet der Blutflüssigen Frau
(Lk 8,43-44)
DIR
bin ich nicht
namenlos
wie in ihren geschichten
über mich
DU
kennst mich
hast mich
namhaft
gemacht
... gepriesen seist
DU
willst mich nicht klein
entgegen ihrem bild
von mir:
unscheinbar
hingekauert
wie ein hund
nach dem mantelsaum
schnappend
DU
machst mich groß
greifst nach mir
umwerfend
sie begreifen nicht:
furcht und zittern
doch
DU
hast mich erschüttert
bis ins mark
... gepriesen seist
DU
weichst nicht aus
vor der schwärenden wunde
wie die anderen
angeekelt
und
verdrossen
über mein leiden
und ihre eigene
hilflosigkeit
DU
hast
für mich heillose
einen
der heilt
... gepriesen seist
DU
bietest
mich zu heilen
alle kraft auf
lässt mich
handgreiflich werden
ihn anrühren
schamlos
im gedränge
der unberührbaren
entkräftendes geschehen
das ihn
nicht kalt lässt:
wer hat mich berührt?
... ich ...
geh in frieden
... gepriesen seist
DU
preisen will ich
DICH
ganz
wie ich bin
denn
DU
stillst mehr
als den blutenden schoss
ein wehes herz
ein wundgeschlagenes
leben
... gepriesen seist
DU
Hildegard König

Gebet in Angst
O mein Gott,
ich bin verwirrt,
die Situation ist mir nicht geheuer.
Mir ist kalt und ich weiß nicht weiter.
Ich bin so schrecklich müde,
und möchte weg von hier, nur weg.
Die Angst nagt an meinem Herzen,
Tränen steigen in mir hoch,
Zweifel schnüren mir die Kehle zu.
Ich sehne mich so nach Geborgenheit.
O du mein Gott,
Quelle meiner Lebenskraft.
Trösterin in der Not,
stehe mir bei und stärke mich.
Schenke mir deine wärmende Nähe,
hülle mich ein in dein göttliches Feuer.
Schenke mir Einsicht und Gelassenheit,
lass mich zur Ruhe kommen
und Frieden finden.
Lass mich deine Kraft spüren
und durchflute mich mit deiner Liebe,
damit ich einen sicheren Boden finde
und meinen Lebensweg getrost weitergehen kann.
Birgit Schneider

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