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Vor dem Ruhegebet ist es ratsam, sich zurückzuziehen, um sich zu sammeln.
Du musst nicht unbedingt einen extra ruhigen Platz aufsuchen oder die Augen
schließen. Einen besonderen Aufwand zu treffen ist nicht erforderlich.
Erfahrungsgemäß schließen sich die Augen ganz von allein und dein Inneres
wünscht sich tiefe Ruhe. Die Wahrnehmung der äußeren Welt tritt von selbst
zurück. Deine Sinne und die äußeren Dinge scheinen mehr und mehr ihr Recht
zu verlieren, während die Seele ihr verlorenes Recht wiedergewinnt.
Wenn Gott dir diese Gnade gewährt, ist er dir in ganz besonderer Weise
behilflich, ihn in deinem eigenen Inneren zu finden. Das Innewerden des
Schöpfers in dir geschieht nicht durch den Verstand, der sich bemüht, Gott
in deinem Inneren als gegenwärtig zu denken. Das Innewerden Gottes in dir
geschieht auch nicht durch deine Einbildungskraft, die sich ihn in uns
selbst vorzustellen sucht. Dies gehört in den Bereich der Betrachtung, ist
jedoch kein Bestandteil des Gebetes der Ruhe.
Im Ruhegebet geschieht das Zurückweichen der Seele in dein Inneres ganz
von selbst - ohne irgendein Dazutun deinerseits. Alle, die mit dieser
Gebetsweise begnadet sind, machen diese Erfahrung. Es ist schwer, hier
weitere erklärende Worte zu finden.

Mitten im Gewässer und in den Stürmen dieser Welt hast du die
Möglichkeit, festes Land in dir und damit tiefen inneren Frieden zu finden.
- Du Gott, weißt, wie viel für mich an diesem Frieden gelegen ist.
- Gib mir die Einsicht und das Verlangen, ihn immer aufs Neue zu suchen.
- Bewirke, dass alle deinen Frieden in ihrem Herzen tragen
- und lass nicht zu, dass wir ihn verlieren.
- Sei bei uns und führe uns dorthin, wo der wahre Friede niemals endet.
- Doch schenke uns auch dann die Ruhe und den Frieden,
- wenn wir vorübergehend das Kreuz tragen müssen,
- um es zu überwinden.

Viele Menschen können nur mündlich beten. Das innerliche Gebet bleibt
ihnen vorerst verschlossen. Ihr aktiver Geist ist so unstet, dass sie bei
keinem Inhalt verweilen können, sondern immer in Unruhe sind. Nicht wenige,
die beten möchten, machen die Erfahrung: Immer wenn sie sich auf Gott
ausrichten, kommen ihnen tausend andere Gedanken in den Sinn - sogar
Ungereimtheiten und Zweifel. Sicherlich werden diese Menschen, die nur
mündlich beten, anderen, die den innerlichen Gebetsweg gehen, nicht
nachstehen.
Du kannst durch das mündliche Gebet in das innerliche Gebet hineinkommen
und von hier aus weiter in den Zustand der Ruhe, in dem deiner Seele
unendliche Liebe zufließt.

- Herr, wie kommt es nur, dass wir das Gute, das du uns erweist,
- so wenig begreifen und es nicht für uns und andere zum Nutzen
anwenden?
- Auf verschiedene Weise lässt du uns deine Liebe zuströmen;
- doch wir, die wir in der Liebe zu dir so wenig Erfahrung besitzen,
- wissen nicht recht damit umzugehen.
- Wir kehren allzu leicht in alte und enge Gewohnheiten zurück.
- Unsere Gedanken wenden sich oft von dir ab-
- anstatt offen zu sein für die großen Geheimnisse,
- die du uns im Heiligen Geist offenbaren möchtest.

Das Wesen des innerlichen Gebetes besteht nicht nur im Nicht-Sprechen und
im Schließen des Mundes. Indem du Gebetsworte innerlich sprichst und dich
gleichzeitig auf Gott hin ausrichtest, geschieht ein Aufmerken der Seele.
Achte nicht auf die Worte selbst, sondern lasse schweigend geschehen, was
geschehen möchte. Während der Gebetsworte etwas anderes zu denken, ist ein
Hemmnis, über das hier nicht gesprochen werden soll. Bedenke, wen du mit
deinem Gebet ansprichst und bedenke, wer es ist, den du anrufst und um etwas
bittest.
Bitte den Herrn, er möge deine vielen Gedanken zur Ruhe kommen lassen.
Bringe ein bisschen Mut auf und richte deinen Blick nach innen, um den Herrn
wahrzunehmen.
Gehe behutsam mit dir und deiner Innerlichkeit um, denn du besitzt in dir
etwas unvergleichlich Kostbares, wie du es in der äußeren Welt niemals
wahrnehmen kannst. Da der Schöpfer in dir selbst wohnt und anwesend ist, ist
jeder Gedanke und jedes Gefühl, du seiest inwendig leer, unwahr. Erinnere
dich des öfteren an seine Gegenwart in dir, dann werden die Situationen und
Dinge dieser Welt keine außerordentliche Macht mehr über dich gewinnen.

"Das Innerliche Gebet nach Teresa von Avila" wird ausführlich beschrieben
in dem Buch Aus der Quelle schöpfen von Peter Dyckhoff. Es ist im Don Bosco
Verlag erschienen. Sie können das Buch unter www.donbosco-fachbuchhandlung.de
bestellen.
Weitere Bücher von Peter
Dyckhoff finden Sie hier.
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