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Die enge Beziehung zwischen Kosmos und Seele hat eine außerordentliche
Bedeutung, denn der Mensch ist das entscheidende, sinngebende Element des
Kosmos. Da der Kosmos sich in kontinuierlicher zielgerichteter Bewegung
befindet und der Mensch ein Teil dieses Kosmos ist, führt das rechte Gebet
unweigerlich zu einem "kosmischen" Gebet.
Gott fügt in seinen kosmischen Plan den freien Willen des Menschen so
ein, dass eine Einheit entsteht zwischen seiner Vorsehung und dem freien
Willen des Individuums, das sein Schicksal selbst bestimmt.
Die Harmonie des Kosmos, in seiner unbeirrbaren Bahn auf Gott hin
geschaffen, möge für die freie Willensentscheidung des Menschen
richtungweisend und mitbestimmend sein.
Wenn schon der Gedanke oder die Erinnerung an einen vorbildlichen
Menschen den Wunsch in uns weckt ihm ähnlich zu werden und schlechte
Angewohnheiten zu meiden, um wie viel mehr wird uns an Gutem geschehen, wenn
wir uns an Gott erinnern, dem Vater und Schöpfer des ganzen Kosmos? Wie viel
mehr noch wird für uns an Gutem geschehen, wenn wir uns im Gebet mit ihm
verbunden fühlen, ganz durchdrungen von der Gewissheit, dass er in seiner
Liebe gegenwärtig ist?

Um diese Nähe Gottes spüren zu dürfen, sollten wir das Gebet angemessen
bereiten und unbelastet seine Gegenwart suchen. Dies ist nur möglich, wenn
wir vorher allen verzeihen, die uns Unrecht zugefügt haben, wenn wir im
Alltag aufgestaute Gefühle oder Anspannungen abgebaut und dunkle Gedanken
anderen Menschen gegenüber aufgelöst haben.
Äußerlichkeiten haben keine Bedeutung mehr. Alle Gedankenaktivität, die
nicht mit dem Gebet in Verbindung steht, sollte zur Ruhe kommen, damit der
Geist nicht immer aufs Neue durch fremde Gedanken beunruhigt wird. Aus
diesem Zustand tiefer innerer Ruhe schenkt sich uns ein unbeschreibliches
Gefühl von Zufriedenheit.
Tägliches Leben, selbst unter schweren Belastungen, wird lebenswerter und
heiterer, wenn es von innerer Ruhe getragen ist.
Jeder Ort der Welt ist ein Teil des gesamten von Gott geschaffenen
Kosmos. So können wir an jedem Ort beten und von hier aus über die ganze
Welt, den Kosmos hinausgehen, in dem wir die Augen des Leibes schließen, die
der Seele dagegen öffnen.

Die Praxis des Ruhe- oder Herzensgebetes ist, zusammengefasst, wie folgt
zu beschreiben:
- Gebet mit Leib, Seele und Geist,
- sich sammeln,
- Schließen der Augen;
- Öffnen der "Augen der Seele",
- Loslassen von allen irdischen Abhängigkeiten,
- Aufgeben aller konkreten Vorstellungen,
- jegliche Anspannung abgeben,
- Gedankenaktivität einstellen,
- keine Worte machen,
- die Führung des Geistes Gott überlassen,
- Zustand tiefer Ruhe - alle Relationen sind aufgehoben,
- die Seele trennt sich von ihrem belastenden Teil,
- Vergeistigung der Seele,
- die Seele erkennt das Bild Gottes,
- Dasein vor Gott

Bereits während der Sammlung zum Gebet werden wir Gottes geheimnisvolle
Nähe spüren. In dieser vertrauensvollen Hingabe an Gott hat der Beter -
indem er aus tiefstem Herzen mit allem zufrieden ist, was geschieht - seine
Zweifel, seine Unzufriedenheit und alles Einengende abgelegt.
"Jesus sagt ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin
nicht nachlassen sollten ..." (Lk 18,1) Allezeit beten - gemeint ist hiermit
nicht, dass man fortwährend Gebete vor sich hin sagen soll. Die Vorbereitung
zum Gebet, das rechte Beten und die Auswirkungen des Gebets im Alltag nehmen
einen immer höheren Stellenwert ein, bis sowohl das Gebet als auch das Leben
zu einer beständigen christlichen Existenz werden. Die innere Gesinnung und
das äußere Tun bilden allmählich eine Einheit, so dass zwischen dem Ablauf
des täglichen Lebens und dem Gebet kein Unterschied mehr besteht. Das gerade
ist das Umfassende und Kosmische: Das Gebet wird zum Leben und das Leben zum
Gebet.

"Das kosmische Gebet" wird ausführlich beschrieben in dem Buch
Einfach beten von Peter Dyckhoff. Es ist im Don Bosco Verlag
erschienen. Sie können das Buch unter www.donbosco-fachbuchhandlung.de
bestellen.
Weitere Bücher von Peter
Dyckhoff finden Sie hier. |