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Jede Übung hat einen äußeren und einen inneren Sinn, der zwar kurz
angedeutet wird, in der Hauptsache jedoch selbst erfahren werden muss. Die
Übungen sprechen sowohl unsere innere als auch unsere äußere Haltung an und
verwandeln sie. Es sind daher keine reinen Körperübungen. Es handelt sich
vielmehr um Übungen, die den ganzen Menschen betreffen, ihn in allen seinen
Dimensionen aufrufen und wandeln.
Jede Übung steht unter einem Thema oder Motto. Zunächst werden die
einzelnen Schritte der Übung selbst beschrieben. Es folgen Hinweise über die
Wirkung der jeweiligen Übung. Schließlich wird der religiöse Bezug
hergestellt.
Die Übungen sind dem Buch Atme auf von Peter
Dyckhoff entnommen. Sie finden hier Rezensionen von Maria Careg und
von Norbert Copray.
Weitere Stimmen zu "Atme
auf"

Die Übungen
Vertraue Übung
- Stelle dich aufrecht und nimm mit deinen Füßen Bodenkontakt auf.
- Richte deine Augen auf einen Gegenstand, der in Augenhöhe drei bis
vier Meter von dir entfernt ist.
- Strecke deine Arme in Schulterhöhe waagerecht nach vorn. Die Finger
sind gestreckt.
- Gib in den Knien etwas nach und schließe die Augen.
- Bleibe dreißig bis vierzig Sekunden in dieser Haltung stehen.
- Gib Unsicherheit, Schwindel oder gar Angst durch die Füße an den Boden
ab.
- Öffne die Augen und atme kräftig aus.
- Wiederhole diese Übung mit dem Zusatz, dass du jetzt auf der Stelle
marschierst, das heißt, abwechselnd das rechte und das linke Bein anhebst.
- Erweitere die Übung: Gehe mit ausgestreckten Armen und geschlossenen
Augen geradlinig durch den Raum. Setze dabei einen Fuß genau vor den
anderen (Gänseschritt).
- Öffne die Augen, lasse die Arme sinken und atme entspannt aus.
Wirkung
Die gleichgewichtserhaltenden Stationen deines Körpers stabilisieren sich
und arbeiten besser zusammen. Die wichtigsten Informationen an das Gehirn
kommen von den Gleichgewichtsorganen der Innenohren und der Augen.
Diese Gleichgewichts- und Koordinationsübung dient der Überbrückung bzw.
dem Ausgleich von Defiziten in diesen Bereichen. Dein Standort festigt sich,
Schwindel nimmt ab, und auch im Gehen verlierst du nicht den sicheren
Kontakt zum Boden.
Religiöser Bezug
"Als die Jünger Jesus über den See kommen sahen, erschraken sie. Er
sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Da stieg Petrus aus
dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Er bekam Angst und begann
unterzugehen. Jesus streckte sofort die Hand aus und ergriff ihn." (Matthäus
14,26 a. 27, 29. 30 b, 31 a)

Nutze die Anziehungskraft
Übung
- Setze dich bequem. Wähle jedoch eine Sitzgelegenheit, bei der dein
Becken deutlich höher ist als deine Knie.
- Schließe die Augen. Stelle dir vor, von deiner Leibmitte ginge ein Lot
oder Senkblei geradlinig zur Erde, durch die Erde hindurch zum
Erdmittelpunkt.
- Atme aus und lasse dich in diese anziehende Bewegung hineinfallen.
Erlebe bewusst die tragende Wirkung der Schwerkraft.
- Beende nach zwei bis drei Minuten die Übung und öffne wieder die
Augen.
Wirkung
In Ruhe, im Ausatmen und Loslassen aller Anspannung spürst du die
Schwerkraft, die vertikale Ausrichtung und Anziehung. Ist dein Körper im
Gleichgewicht, wirst du von dieser Kraft getragen. Bist du jedoch angespannt
und unausgeglichen, belastet dich die Schwerkraft der Erde, die immer in der
Vertikalen zieht. Diese Kraft gibt dir Halt und Spannkraft, wenn du dich auf
die Vertikale ausrichtest. Das Energiefeld deines Körpers wird mit dem
vertikalen Zug der Schwerkraft in Einklang gebracht, damit du dich
anstrengungslos aufrecht halten kannst. In dieser Aufrechten fällt es dir
leicht, aufrichtig zu sein und dich im Gebet auf Gott auszurichten.
Religiöser Bezug
"Und ich", sagt Jesus in seiner letzten öffentlichen Rede, "wenn ich über
die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen." (Johannes 12,32)
"Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in
wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit." (Epheserbrief 4,24)
"Er zog die Gerechtigkeit an wie einen Panzer." (Jesaja 59,17 a)
"Ziehet aufrichtiges Erbarmen an, Güte, Demut, Milde, Geduld!"
(Kolosserbrief 3,12)

Gehe aus dir heraus
Übung
- Du erhöhst die Wirkung dieser Übung, wenn du dich in den Atem- und
Bewegungsrhythmus einfügst und so dem Lauf der Natur folgst.
- Gib im Stand etwas in den Knien nach. Führe deine Hände vor der Brust
zusammen. Die Handflächen berühren sich, die Finger zeigen nach oben.
- Strecke im Einatmen deine Arme hoch über den Kopf.
- Breite während des langen Ausatmens deine Arme seitlich aus - die
Handflächen zeigen nach oben.
- Drehe, auf Schulterhöhe angelangt, deine Hände so, dass die Handrücken
nach oben zeigen.
- Stelle dich gleichzeitig während desselben Ausatemzuges kurz auf deine
Zehen, dann wieder auf deine Fußsohlen und gib den letzten Ausatem auf die
Silbe SU hörbar ab. Die Arme sinken nach unten.
- Führe deine Hände nun erneut zur Wiederholung der Übung zusammen und
sorge für eine flüssige Abfolge von Bewegungen.
- Nimm in der Bewegung deinen Spielraum wahr und genieße die
Leichtigkeit der Übung.
Wirkung
Durch den gleichmäßig schwingenden Atem- und Bewegungsrhythmus schwindet
alle gedankliche Unordnung und das hochaktive Gehirn kommt zur Ruhe. Die
Übung möchte dazu beitragen, die zerrissene Einheit von Leib und Seele in
ihrer ursprünglichen Harmonie wiederzugewinnen. Du erfährst Freude an der
Entfaltung deiner Bewegungsmöglichkeiten und an deiner schöpferischen
Selbstverwirklichung.
Religiöser Bezug
"Da erhob er (Judas) seine Hände zum Himmel und rief zum Herrn, der
Wunder vollbringt. Denn er wusste, dass es nicht auf die Waffen ankommt,
sondern dass denen der Sieg zufällt, die Gott für würdig erachtet." (2.
Makkabäer 15,21 b)
"Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele." (Psalm 25,1)

Atme Ru-he
Übung
- Im Liegen kannst du dich für diese Übung am besten entspannen.
- Lege dich auf den Rücken. Die Arme liegen am Körper, die
Handinnenflächen sind nach unten gerichtet.
- Spüre von den Füßen aufwärts, an welchen Stellen dein Körper die
Unterlage oder den Boden berührt: die Fersen, die Waden, das Gesäß, der
Rücken, der Schultergürtel, die Arme und Hände, der Hinterkopf.
- Nimm - wiederum mit den Füßen beginnend - Kontakt zum Boden auf und
nimm bewusst wahr, dass die Erde dich trägt.
- Schließe die Augen und führe den Einatem tiefer in dich hinein. Spüre,
wie beim Ausatmen die Bauchdecke sich senkt und sich beim Einatmen hebt.
- Sprich beim Einatmen die Silbe Ru - und beim Ausatmen die Silbe - he
laut aus.
- Wiederhole diesen Atemrhythmus einige Male und werde leiser, bis du
das Wort Ru-he nicht mehr aussprichst, sondern nur noch das Wort mit dem
Atem innerlich wiederholst.
- Wenn dir nach einigen Minuten schwindelig wird, beende sofort die
Übung - sonst erst nach fünf bis acht Minuten.
Wirkung
Du lernst, dich vertrauend loszulassen, indem du Kontakt mit dem Boden
aufnimmst, der dich trägt. Du gibst alle Anspannung an den Boden ab oder
legst sie in den Ausatem. Das Wort Ru-he erinnert dich daran, dass du nichts
leisten musst, sondern genießen darfst. Die Spannung in deinen Muskeln wie
auch in deinem Nervensystem harmonisiert sich. Du machst die wichtige
Erfahrung, im eigenen Grund zu ruhen und aus dem eigenen Grund heraus zu
agieren.
Religiöser Bezug
"Nur in Umkehr und Ruhe liegt eure Rettung, nur Stille und Vertrauen
verleihen euch Kraft." (Jesaja 30,15)
"Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt.
Ich werde euch Ruhe verschaffen." (Matthäus 11,28)
"Denn wer in das Land seiner Ruhe gekommen ist, der ruht auch selbst von
seinen Werken aus, wie Gott von den seinigen." (Hebräerbrief 4,10)

Sorge dich nicht
Übung
- Lege dich auf den Rücken. Die Beine sind gestreckt, die Arme ruhen
neben dem Körper, die Handflächen berühren den Boden.
- Hebe beim Einatmen dein rechtes Bein einige Zentimeter und gib es beim
Ausatmen wieder an den Boden ab wie in den warmen Sand.
- Wiederhole das Anheben nun mit dem linken Bein. Führe die Bewegung so
langsam aus, dass dein Bewusstsein ihr folgen kann.
- Hebe beim Einatmen den rechten Arm einige Zentimeter und lege ihn beim
Ausatmen behutsam zurück. Wiederhole die Übung mit dem linken Arm.
- Hebe nun beim Einatmen deinen Kopf leicht an. Lege ihn beim Ausatmen
behutsam zurück. Spüre die Auflagefläche. Entspanne die
Gesichtsmuskulatur, glätte die Stirn, löse die Ober- und Unterkiefer und
gib somit Verbissenheit ab.
- Mache beim Einatmen zwei kräftige Fäuste und spanne die Schultern mit
an. Gib im Ausatmen die Anspannung ab und öffne die Fäuste wieder.
- Nimm in der Ruhephase wahr, was sich verändert hat.
Wirkung
Entspannen und Anspannen, Abgeben und Annehmen, Ausatmen und Einatmen
schwingen zusammen. Du spürst - wenn du ganz gegenwärtig bist - die Einheit
von Bewegung, Atmung und Aufmerksamkeit und nimmst wahr, wie sich neue
Lebenskräfte entfalten. Du wirst staunen und dankbar Veränderungen an dir
feststellen, die größer sind, wenn du dir häufig Sorgen um die Zukunft
gemacht oder dich schuldig gefühlt hast für Fehler der Vergangenheit.
Religiöser Bezug
"Mehren sich die Sorgen des Herzens, so erquickt dein Trost meine Seele."
(Psalm 94,19)
"Überlass dich nicht der Sorge, schade dir nicht selbst durch dein
Grübeln." (Jesus Sirach 30,21)
"Werft alle Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch." (1. Petrusbrief
5,7)

Auch die Übungen sind dem Buch Atme auf von Peter Dyckhoff entnommen. Es
ist im Don Bosco Verlag erschienen, enthält 77 dieser Übungen zur Leib- und
Seelsorge. Sie können das Buch unter www.donbosco-fachbuchhandlung.de
bestellen.
Weitere Bücher von Peter
Dyckhoff finden Sie hier. |