Das Ruhegebet
Die Wüstenväter fühlten sich in das Beten Jesu ein und zogen aus dem, was die Evangelisten darüber berichten, die Konsequenzen für ihr eigenes Beten. Es werden die wesentlichen Elemente des Betens Jesu kurz zusammengetragen, die zum inneren Gebet oder dem Gebet der Ruhe führen.
Wenn der Betende diese Hinweise über einen längeren Zeitraum und konsequent befolgt, geleiten sie ihn wie von selbst zum immerwährenden oder unablässigen Gebet.
Praktische Anleitungen:
- Die Notwendigkeit des Betens einsehen und dem Gebet vor allem anderen den Vorrang geben.
- Sich zum persönlichen Beten zwei- bis dreimal am Tag an einen ruhigen Ort zurückziehen.
- Möglichst immer am gleichen Ort und zur gleichen Zeit in die Stille des Gebetes gehen, das heißt, Regelmäßigkeit wahren.
- Vor dem eigentlichen Beten bewussten Kontakt mit dem Boden, der Erde, aufnehmen – sich körperlich hingebend fallen lassen.
- Keine Worte machen, die Augen schließen und schweigen.
- Im Ruhegebet Gott als den Vater oder Jesus Christus als den Herrn ansprechen.
- Ein kurzes Gebetswort, das die Hingabe an den Willen des Vaters oder das Erbarmen Jesu Christi zum Inhalt hat, innerlich häufig wiederholen.
Die Auswirkungen davon sind:
- Körper, Geist und Seele kommen zur Ruhe.
- Gottes Gegenwart wird spürbar.
- Alles Widergöttliche prallt ab.
- Zukünftiges kann sich offenbaren.
- Die Auferstehung und die nachösterliche Dimension werden mehr
und mehr zur Gewissheit.
- Im Gebet wird Gemeinschaft erfahren.
- Der Horizont weitet sich, das Durchhaltevermögen wird größer und eine stärkere Lebenskraft wird erfahrbar.
- Leibliche Verbesserungen
Einübung in das Ruhegebet (Bd. 1, S. 71)
Fragen und Antworten zum Ruhegebet
Was unterscheidet das Ruhegebet von ähnlichen Gebetsweisen anderer Religionen?
Das Ruhegebet ist keine Gebetstechnik, sondern es beinhaltet eine ausdrückliche persönliche Beziehung zu Gott und einen bewussten Glauben an die Menschwerdung Jesu Christi. Das Ziel dieses Gebetes besteht nicht nur darin, alle Gedanken aufzuheben und die Seele in ein bodenloses Nichts fallen zu lassen. Das Ruhegebet ist auf eine unmittelbare Begegnung ausgerichtet, auf das Du Gottes. Es setzt ein Bekenntnis des Glaubens an dieses Du als den eingeborenen Sohn Gottes voraus, der in Wahrheit zugleich göttlich und ganz und gar menschlich ist, an Gott, der in Jesus Christus zu unserem Erlöser und Heiland geworden ist.
Ist diese Art zu beten mit Meditation identisch?
Meditieren muss nicht Beten sein. Es gibt Meditationsweisen, die keine religiösen Inhalte besitzen, sondern lediglich eine Entspannung von Körper und Geist zum Ziel haben. Das cassianische Ruhegebet jedoch ist eine christliche Meditationsform, die die Anrufung Gottes zum Inhalt hat. Durch diese zusätzliche religiös-christliche Dimension erfährt der Betende nicht nur Entspannung für Körper und Geist, sondern Erfüllung im Glauben und somit eine seelische Entwicklung. Diese besteht darin, dass das der menschlichen Seele eingeprägte Bild Gottes belichtet und der Mensch Gott immer ähnlicher wird.
Ist es nicht angesichts des Leids in der Welt ein großer Egoismus den Mitmenschen gegenüber, so viel Zeit auf das Erlernen und das Praktizieren des Ruhegebetes zu verwenden?
Wir können nur geben, wenn wir haben, und nur so viel geben, wie wir haben. Viele Menschen möchten geben und helfen, doch sind sie selbst am Ende ihrer Kraft. Sie benutzen sogar das Wort „ausgebrannt“ für ihren Zustand. Das Ruhegebet erlaubt uns, immer wieder neu aus verborgener Quelle Kraft zu schöpfen und Gnade zu empfangen, die wir dann mit Freude und Engagement an andere in Fülle weiterschenken dürfen. Zog sich nicht auch Jesus immer wieder zum Gebet zurück, um dem Einen, der Verbundenheit mit dem Vater, Vorrang zu geben? Nur so konnte er dem Vielen gerecht werden und seinen Lebensauftrag erfüllen. In seiner Regel, die stark vom Geist Cassians geprägt ist, sagt der heilige Benedikt: „Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden.“ Gott segnete den siebten Tag, an dem er ruhte, und bittet auch uns, diesen Tag zu heiligen und als Ruhetag anzunehmen. Bedeutet dies nicht, um in einem gesunden und stabilen Gleichgewicht zu leben, dass ein Siebtel unserer Lebenszeit dieser göttlichen Ruhe vorbehalten sein sollte?
Einübung in das Ruhegebet (Bd. 1, S. 179)
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Das Ruhegebet wird ausführlich in dem Buch Einübung in das Ruhegebet
(2 Bände + Cassian-Holzikone) von Peter Dyckhoff beschrieben.
In der Rubrik „Bücher bestellen“ können Sie sich genauer über den Inhalt des exklusiven Buches informieren.
Das Ruhegebet nach Cassian
die Verbindung von Meditation und Gebet
Meditieren muss nicht Beten sein. Es gibt Meditationsweisen, die keine
religiösen Inhalte besitzen, sondern lediglich eine Entspannung von Körper
und Geist zum Ziel haben. Das einfache Gebet der Ruhe nach Johannes Cassian
(4. Jahrhundert) jedoch ist eine christliche Gebetsweise, die die Anrufung
Gottes zum Inhalt hat. Durch die zusätzliche religiöse Dimension erfährt der
Betende nicht nur Entspannung für Körper und Geist, sondern auch Erfüllung
im Glauben und somit eine seelische Entwicklung.
Das Ruhegebet führt den Betenden über seine Vorstellungswelt und über
sich selbst hinaus und vermittelt ihm Erfahrungen eines immer tiefer
werdenden Schweigens in Gott sowie ein aktives Glücklichsein im Bestehen der
vielgestaltigen Welt.
Tiefstes Anliegen ist es, dass der Betende in allem und durch alles in
seinem Leben eine Begegnung mit dem Schöpfer erfährt, dem Urgrund allen
Seins, mit Gott, der die Liebe ist. Im Ruhegebet wird die Hingabe des
eigenen Willens an Gott geübt, um gestärkt durch seine Gabe mit neuer
Willenskraft alle Aufgaben wieder angehen zu können. |
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Lebensaktivität durch Ruhe
Dieses Gebet der Hingabe muss langsam eingeübt werden und dem
Lebensrhythmus angemessen sein. Im Hinblick auf die vielfältigen Aufgaben
und Aktivitäten wird empfohlen, nicht länger als zwanzig bis dreißig
Minuten, jeweils morgens und abends, zu meditieren. Hierzu gehen wir in
"unsere Kammer und schließen die Tür zu" (Matthäus 6,6)
Im Ruhegebet übereignen wir uns mit ganzem Herzen dem Herrn und verlassen
uns auf ihn, legen alle Relationen dieser Welt ab, indem wir nicht mehr in
ihr aktiv sind und geben alle Stimmungen wie Traurigkeit, Gereiztheit und
Langeweile ab.
Cassian empfiehlt dem Suchenden, der tief in seinem Herzen nach dem
Einssein mit Gott verlangt, die folgende Gebetsformel:
Gott, komm mir zur Hilfe.
Herr, eile mir zu helfen!
(Ps
70,2)
Die Formel nimmt man zunächst lernend ganz in sich auf. Auf sie lenkt der
Meditierende ständig seinen inneren Blick. So wird die Formel mehr und mehr
dem Geist zu eigen. Nach dem Erwägen wird sie dann nur noch ohne das
Hinzutun eigener Gedanken innerlich wiederholt. Dieser Vorgang, der keine
aktive Betrachtung mehr ist, bewirkt im Betenden eine heilsame Veränderung
und führt langsam in eine neue Dimension des Seins.

Cassian nennt nur diese eine, es können aber auch andere Gebetsformeln
verwendet werden. Wenn eine Formel mit einem Sinnzusammenhang genommen wird,
soll diese zunächst mündlich, dann nur noch in Gedanken wiederholt werden.
Der aktive und gleichzeitig zur Kreativität neigende Geist ist erst einmal
damit beschäftigt, den Inhalt des Gebetes zu erfassen, zu denken, zu
assoziieren: Analogien, Erinnerungen, Vorstellungen, Zusammenhänge wie auch
Fragen werden sich einstellen. Dieses Ausloten ist mit "Erwägen"
gemeint, ist aber sehr bald ausgeschöpft und lässt den Geist zur Ruhe
kommen.

Den Weg finden
Wenn ich in den Konsum verstrickt bin und durch unangemessenes Verhalten
gegen meinen Willen nach immer größerer Befriedigung suche ...
Gott, komm mir zur Hilfe.
Herr, eile mir zu helfen!
Kann ich den rechten Zeitpunkt nicht abwarten oder verlange ich übermäßig
viel ...
Gott, komm mir zur Hilfe.
Herr, eile mir zu helfen!
Kann ich auf Grund von Konflikten, ungelösten Problemen oder Spannungen
keine Ruhe finden, bin ich erschöpft und ohne Energie ...
Gott, komm mir zur Hilfe.
Herr, eile mir zu helfen!
Kann ich nicht mit meiner Aggressivität umgehen, beherrscht Geld mein
Denken, komme ich nicht aus einem seelischen Tief und meine Ausgeglichenheit
wird hierdurch erheblich gestört ...
Gott, komm mir zur Hilfe.
Herr, eile mir zu helfen!

Mit dem Ruhegebet besitzen wir eine lebensunterstützende und wunderbare
Kraft, die uns stärkt gegen schädigende Einflüsse jeglicher Art und uns
stabilisiert. Wie in einem Reinigungsvorgang werden wir von allem befreit,
was nicht zu uns gehört und unserem Entwicklungsweg nicht entspricht. Das
Gebet wird mehr und mehr im Fortschreiten auf Gott zu einem
unaussprechlichen Schwingen und es entgrenzt uns auf sein liebendes
Entgegenkommen und seine unendliche Barmherzigkeit.

"Das Ruhegebet nach Cassian" wird ausführlich beschrieben in dem Buch
Einfach beten von Peter Dyckhoff. Es ist im Don Bosco Verlag erschienen.
Sie können das Buch unter www.donbosco-fachbuchhandlung.de
bestellen.
Weitere Bücher von Peter
Dyckhoff finden Sie hier.
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