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Das Ruhegebet Selbstgespräche mit Gott

Du heilst mich. Du versöhnst mich mit mir, mit meinem Schicksal, mit meinem Leben, mit meiner Sünde. Du heilst mich von allen Ängsten und Zwängen; du stillst meine Sehnsucht nach der Liebe.

Das heilende Gespräch hat heute nicht nur in der Gesprächstherapie eine große Bedeutung. Wenn ich mich aussprechen und „los-sprechen“ kann, wenn ich zu Wort komme und meine Probleme zur Sprache bringe, ist dies schon ein wesentlicher Schritt im Heilungsprozess. Für den Glaubenden ist das heilende Gespräch ein Geschenk, das sich in der Begegnung mit dem liebenden Gott ereignet. Gott spricht zuerst mich an und löst meine Zunge, damit ich mich vor ihm zur Sprache bringen kann, so wie ich bin, mit allen meinen Stärken und Fehlern, meinen Fragen und Wünschen, meinen Hoffnungen und Verzweiflungen.
Die Betrachtungen dieses Buches regen dazu an, in das heilende Gespräch mit Gott einzutreten, um die Liebe Gottes zu spüren.
 

Einleitung

Die heilende Kraft des Gesprächs wird in unserer Zeit wieder neu entdeckt, und es wird versucht, sie in der Gesprächstherapie zur Anwendung zu bringen. – Wenn ich mich aussprechen und „los – sprechen“ kann, wenn ich zu Wort komme und meine Probleme zur Sprache bringen kann, geht es mir immer besser. Ich brauche allerdings eine Partnerin bzw. einen Partner, die/der mir Gehör schenkt, mich versteht und nicht verurteilt.
Für Glaubende ist das heilende Gespräch eine „Gnade“, ein Geschenk, zu dem ich beitragen, das ich aber letztlich nicht „machen“ und erzwingen kann.
Gespräch ist Begegnung. Das Eigentliche und Wesentliche der Begegnung im Wort ereignet sich im Inneren des Menschen. – Der Mensch muss im Lauf seines Lebens lernen, die Partnerin/den Partner immer mehr in seinem Inneren zu finden. Das Ziel ist, dass ich Gott finde als meinen absolut zuverlässigen, verständnisvollen und immer ansprechbaren Partner meines Lebens.
Das heilende Gespräch kann sich nur ereignen in einem Erlebnisraum, in dem nicht verurteilt und bestraft wird, in einem Bereich, in dem auch das, was nicht sein darf, da sein darf.
Ein „beleidigter“, „zürnender“, „strafender“ Gott entspricht zwar unserem angeborenen Vergeltungsdenken, ist aber nicht geeignet als Partner für ein heilendes Gespräch. Jesus hat uns vom „Zorn Gottes“ dadurch befreit, dass er uns vom Bild des zürnenden, strafenden Gottes erlöst und uns die absolute Liebe, die bedingungslos und unverlierbar alle immer liebt (den „gnädigen Gott“), ein für allemal geoffenbart hat.
Die Betrachtungen dieses Buches wollen anregen zum heilenden Gespräch mit diesem Gott. – Dieser Gott spricht zuerst uns an und löst unsere Zunge, damit wir uns vor ihm zur Sprache bringen können. Er spricht nicht mit, sondern in Worten.
In unserem computergesteuerten Leben ist ein Verlust der Sprache zu beklagen. Worte werden durch kurzlebige, konsumbezogene Wörter ersetzt, in denen das eigentliche Leben erstorben ist.
Die Worte und Wortspielereien der folgenden Betrachtungen sind ein Versuch, Worte auf ihren Ursprung in der Lebenserfahrung hin zu durchleuchten, in der Gott „vor – kommt“. Die Betrachtungen wollen auf Erfahrungen aufmerksam machen, die jeder Mensch haben kann, die aber durch unsere einseitig vernunft- und konsumorientierte Lebensweise verloren gegangen sind.
Die folgenden Betrachtungen wollen ferner aufmerksam machen auf den Symbolcharakter der gesamten Wirklichkeit. In einem Dreischritt kann man diesen Symbolcharakter verdeutlichen, z.B.:

Gott ist da wie Brot.
Gott ist da im Brot.
Gott ist da als Brot.

Die Kurzformel „Gott ist Brot“ kann auch umgekehrt werden: „Brot ist Gott“. Diese Formel ist freilich nicht pantheistisch zu verstehen. Die Kalorien sind nicht Gott. Das eigentliche Wesen des Brotes (die „Substanz“ = das, was zugrunde liegt) sind nicht die Kalorien. – Das ist Gott, dessen Liebe sich im Brot, im Mahl, „realisiert“, d.h. dinglich-sinnlich verwirklicht.
Insofern ist Gott, die ewige Liebe, „das Herz aller Dinge“. Alles ist Symbol – jeder Händedruck, jeder freundliche Blick, der gute Tonfall in der Stimme ... – Jedes Geschöpf ist schließlich Symbol für Gott, der nicht Geschöpf ist, der sich aber in den Geschöpfen erfahrbar macht.
Speziell im eucharistischen Brot ist noch ausdrücklich die gesamte Jesus- und Gemeindeerfahrung mit enthalten.
Die Anrede in den folgenden Texten ist an Gott und an Jesus, den „verkörperten Gott“, gerichtet. Was davon mehr im Vordergrund steht, ergibt sich aus den Texten selbst.

Die Betrachtungen sind gegliedert in drei Gruppen:
Ich bin: Gott spricht den Menschen an.
Du bist: Wir sprechen Gott an.
Wir sind: Wir machen uns bewusst, was Gott in uns wirkt.
 

 

Signet

 

Die Bücher von Elmar Gruber finden Sie hier. 

Die hier vorgestellten Gebete sind im Don Bosco Verlag erschienen. 
Sie können die Bücher unter www.donbosco-fachbuchhandlung.de bestellen.

 

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